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Die Weltgesundheitsorganisation hat unzureichende Schmerztherapie als Kennzeichen eines Entwicklungslandes charakterisiert

Schmerztherapie

Anamneseerhebung bei chronischen Schmerzen

Vor Beginn der Schmerztherapie erfolgt zunächst eine umfangreiche Erhebung der Anamnese in Hinblick auf Vorerkrankungen, bisher erhobene Befunde, bisherige Therapie der Schmerzen, Dauer, Art und Intensität der Schmerzen, schmerzverstärkende und schmerzreduzierende Situationen auch unter der Berücksichtigung der Lebensumstände. Im Anschluss daran findet eine genaue körperliche Untersuchung statt.

Schmerztherapie mit Triggerpunkt-Akupunktur

Der Schmerz kann viele Ursachen haben. Hauptursache ist eine chronisch verhärtete und angespannte Muskulatur durch Fehl- und Überbelastungen. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung im Muskelgewebe. Es entstehen Triggerpunkte (lokale Druckpunkte) in der Tiefe der Muskulatur. Damit beginnt für viele Patienten ein Teufelskreislauf über Jahre. Das Ermitteln und Auflösen dieser "Triggerpunkte" ist hierbei die Kunst in der Behandlung. Zusätzlich wird die angespannte Muskulatur erwärmt und Therapien wie Massage, Osteopathie oder Injektionen kommen zum Einsatz.

Spannungskopfschmerz, Migräne und Rückenschmerz - oft durch Triggerpunkte verursacht

Triggerpunkte führen sowohl spontan als auch auf mechanische Belastung hin zu Schmerzen. Fast jeder kennt Spannungskopfschmerzen bei längerem Lesen zur Prüfungsvorbereitung oder aber auch bei der Arbeit am Computer. Die Kopfschmerzen treten oft beidseitig im Hinterkopf und Nacken bis hin zur Stirn mit Betonung der rechten Seite bei Rechtshändern auf. Die dafür verantwortlichen Triggerpunkte liegen meisten im Trapezmuskel sowie im Bereich der Kopfstrecker. Bei Spannungskopfschmerzen im Bereich des Scheitels und des Auges liegen die entsprechenden Triggerpunkte im Bereich der Kaumuskulatur. Die betroffenen knirschen oft in der Nacht mit den Zähnen, das Gesicht wirkt durch die vergrößerte Kaumuskulatur relativ breit und pausbäckig. Auch hier ist oft eine Seite stärker betroffen als die andere.
Erst in letzter Zeit hat sich herausgestellt, dass auch viele Migräneattacken offensichtlich auch muskulär, durch Triggerpunkte mitbedingt sind. Es gibt kaum einen Migränepatienten, der nicht zumindest gelegentlich auch unter Spannungskopfschmerzen leidet. Auch die meisten Rückenschmerzen sind durch Triggerpunkte verursacht. So manche Röntgenaufnahme und so manches Schichtröntgen ist schlichtweg überflüssig. Ein nachgewiesener Bandscheibenvorfall oder auch der so genannte "Verschleiß" schlicht und ergreifend nur ein Zufallsbefund. Ein durch Triggerpunkte ausgelöster Rückenschmerz kann bis ins Bein hineinstrahlen und durch einen Bandscheibenvorfall hervorgerufenen Schmerz täuschend ähnlich sein.

Schmerzen des Bewegungsapparates 
Auch wenn die Skelettmuskeln volumenmäßig das größte Organsystem des Menschen sind, denken wir zu wenig, dass sie die Quelle, die Ursache der Schmerzen des Bewegungapparates sein können. Wenn wir die Muskeln anschlagen, reißen, merken wir, dass sie weh tun. Nach einer außergewöhnlichen Beanspruchung bekommen wir eine andere Art des Muskelschmerzes - den Muskelkater. Weniger bekannt ist, dass Muskeln schmerzen können, auch wenn sie damit unzufrieden sind, wie wir mit ihnen umgehen, z.B. wenn wir sie belasten, ohne sie dafür vorher durch Training und Dehnung vorzubereiten, oder wenn wir sie nach größerer Belastung nicht genug erholen lassen. Eine zwar kleine, aber lang andauernde Spannung des Muskels bei schlechter Lagerung während des Schlafes, oder falsche Bewegungen während der Arbeit können auch zu Muskelschmerzen führen. Oft treten solche Schmerzen erst verspätet nach einem Anschlag, einer Zerrung (erlitten auch bei einer Operation durch Druck oder Zug), sodass uns der Zusammenhang nicht klar ist, desto mehr, als die Muskeln meistens nicht direkt schmerzen, sondern nur ihre Verlängerungen - die Sehnen, am häufigsten an ihren Ansätzen, nahe der Gelenke. Dabei tun die Bewegungen oder eine gewisse Lage weh, z. B. die Schulter oder die Hüfte schmerzt, wenn wir auf ihrer Seite liegen. Wir meinen dann falsch, dass das Gelenk betroffen und nicht in Ordnung sei.
Es kann jedoch auch umgekehrt sein, das Gelenk ist, z. B. nach einer Verletzung oder bei einer beginnenden Abnützung nur leicht verändert, schmerzt aber selbst (noch) nicht, sondern nur die Muskeln und Sehnen, die sich an dessen Bewegungen beteiligen. Wir schonen dann das Gelenk und bewegen es zu wenig, damit vermindern wir dessen Durchblutung und Ernährung, und der Schaden, die Abnützung, schreitet schneller voran.
Schon früher gab es Ärzte und Forscher, die die Bedeutung der Muskeln für die Entstehung der Schmerzen des Bewegungsapparates erkannt haben. Die "Leibärztin" des amerikanischen Präsidenten J. F. Kennedy, Frau J. Travell und ihr Kollege D. G. Simons, verhalfen mit ihrem zweibändigen Buch " Myofascial Pain and Dysfunction. The Trigger Point Manual" zum Durchbruch dieser wichtigen Kenntnisse und der darauf gegründeten sehr wirksamen Therapiemöglichkeiten. Man nennt diese Methode "Triggerpunkt-Therapie" oder offiziell "Myofasziale Triggerpunkt-Therapie".

Was sind Triggerpunkte?
Unter den oben beschriebenen Umständen existieren in den Muskeln, Sehnen und Gewebe, die die Muskeln untereinander und an den Knochen bindet (Bindegewebe, Faszien) kleine, manchmal nur ein paar Millimeter große Bereiche, eben Punkte, die verändert, gequollen und berührungs- und druckschmerzhaft sind. Häufig schmerzt nicht dieser Punkt sondern auch ein anderer, sogar ein entfernter Bereich sogar in einem anderen Muskel. Dann sprechen wir über sekundäre Triggerpunkte und projizierten Schmerz. Die Triggerpunkte tun nicht nur bei Berührung und Druck weh, sie verursachen Schmerzen in den Gelenken, bei den Sehnen, und Sehnenscheiden bei Bewegung der entsprechenden Muskeln.
 

Rückenschmerzen von G. Stux

Die Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig: Einfache Lumbalgien beruhen meist auf Verspannungen der Rückenmuskulatur infolge von Mangel- oder Fehlbelastung, Wettereinflüssen wie Kälte, Feuchtigkeit oder Wind, und psychischen Spannungen. Bei schweren Rückenschmerzen können durch langanhaltende Fehlbelastungen die kleinen Wirbelgelenke betroffen sein, die dann einen chronischen Schmerzreflex mit begleitenden Muskelverspannungen aufrechterhalten. Auch ein Verschleiß bzw. Knochenumbildungen mit deutlichen Veränderungen der Wirbel und Einengung der Nervenaustritte können bei chronischen Rückenschmerzen vorliegen.
Wenn die Schmerzen hinten oder seitlich in das Bein ausstrahlen, liegt eine Reizung des Ischiasnerves vor, man spricht von Ischialgie; wenn die Ausstrahlung von deutlichen Kreuzschmerzen begleitet wird, von Lumboischialgie. In seltenen Fällen kommt es zu einem Bandscheibenvorfall (Prolaps), der auf die Zwischenwirbelnerven Druck ausüben kann.
Akupunkturtherapie ist bei den verschiedensten Formen von Rückenschmerzen und Ischialgien wirksam. Neben einer im herkömmlichen Sinn "schulmedizinischen" Diagnose ist vor der Akupunkturtherapie eine Beurteilung der Symptome nach den Prinzipien der chinesischen Medizin erforderlich. Besonders die Zuordnung zu den Meridianen (Harnblasen- oder Gallenblasenmeridian) ist von großem Wert. Häufig liegt den chronischen Rückenschmerzen aus chinesischer Sicht auch eine energetische Schwäche der Niere zugrunde. Dann findet man oft kalte Füße und behandelt zusätzlich zur Akupunktur mit Moxibustion. Bei der Akupunkturtherapie kombiniert man Nahpunkte des Blasenmeridians, der neben der Wirbelsäule liegt, mit Punkten des Lenkergefäßes. Fernpunkte wählt man entlang des Blasen- oder Gallenblasenmeridians aus. Auch die begleitende Ohrakupunktur kann den Heilungserfolg unterstützen. Eine Bestrahlung von Akupunkturpunkten mit Laserlicht, also die Laserakupunktur, oder die elektrische Stimulation von Akupunkturnadeln zeigt gute Wirksamkeit.
Bei akuten Formen wie Hexenschuss nach einer plötzlichen unglücklichen Bewegung, hilft die Akupunktur meist schon nach ein bis zwei Sitzungen. Hier sollte keine Massage oder Wärmebehandlung erfolgen. Bei chronischen Rückenschmerzen hingegen sind oft 10-20 Behandlungssitzungen erforderlich, um eine deutliche langanhaltende Schmerzlinderung zu erzielen. Begleitende Moxibustion ist oft sehr wirksam. Bei Schmerzen nach Bandscheibenoperation sind oft über 20 Behandlungen notwendig. Chronische Rückenschmerzen zählen neben der Migräne zu den wichtigsten Erkrankungen, bei denen Akupunktur zu einer dauerhaften Schmerzlinderung führen kann.
  
Aus: Stux G (1996) - Akupunktur: Grundlagen - Techniken – Anwendungsgebiete, Kapitel VI; Beck’sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München
 

Besonderer Hinweis zum HWG:
Aus rechtlichen Gründen beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Grundsätzlich soll bei keiner meiner aufgeführten Therapien der Eindruck erweckt werden, dass diesen ein Heilversprechen meinerseits zugrunde liegt. Ebenso wenig kann aus den Ausführung abgeleitet werden dass, Linderung oder Verbesserung eines Krankheitszustandes garantiert oder versprochen werden.

 

 

 

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