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Chronische Schmerzen

Aus meiner Praxiserfahrung weiß ich, dass Patienten mit chronischem Schmerzen sich ihrer Situation angepasst haben und lächeln, obwohl sie ihre Schmerzen mit einer 9 auf der Schmerzskala (1: ganz leicht, 10: unerträglich) beschreiben. Dafür leiden sie an Ängsten, Schlaflosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Gereiztheit, sexueller Schwäche und Depression.

Fakt ist auch, dass fast alle Patienten mit Schmerzen depressiv sind, was normal ist. Das heißt eben nicht, dass der Patient psychische Probleme hatte bevor er krank wurde und sich deshalb sein Zustand nicht verbessert. Der Psychiater Nelson Hendler beschreibt vier Stadien, die ein Schmerzpatient durchläuft:

Akutes Stadium (0-2 Monate): Während dieser Zeit erwartet der Patient eine Besserung. Er bekommt Behandlungen und antizipiert komplette Heilung mit einigen, oder keinen zurückkehrenden Beschwerden. Obwohl die Schmerzen sogar extrem sind, glaubt der Patient diese seien vorübergehend und er/sie ist nicht depressiv.

Subakutes Stadium (2-6 Monate): Sorgen kommen auf, denn trotz Erwartungen, hat der Patient noch immer Schmerzen. Er/sie fragt sich ob Diagnose- oder Behandlungsfehler vorliegen. Der Patient sagt die Wahrheit, dass er mehr Schmerzen hat als die anderen Patienten. Während dieser Phase wird der Patient oft als Hypochonder oder Hysteriker bezeichnet.

Chronisches Stadium (6 Monate-8 Jahre): Depression, die besonders durch die Realisation ausgelöst wird, dass die Schmerzen permanent sein werden, regieren diesen Stadium. In diesem Fall hat man alle Zeichen eines depressiven Syndroms , mit Schlafstörungen, sexuellen Dysfunktionen, Verlust des Selbstbewusstsein, Schuldgefühlen und vermehrtem Selbstmordrisiko.

Subchronisches Stadium (3-12 Jahre): Der Patient versöhnt sich mit seinem Zustand und passt sich der Situation an. Dieses Stadium ist durch Akzeptanz und Anpassung geprägt. Der Patient geht davon aus, dass der Schmerz lebenslang bestehen wird, egal welche Behandlungen versucht werden. Der Patient ist nicht glücklich über die Situation, aber entwickelt Strategien mit dem Schmerz umzugehen und zu funktionieren, anstelle dagegen anzukämpfen. Die Depressionsskala ist gewöhnlich gering.

 

Siehe auch Prozess der Chronifizierung: http://www.medizinfo.de/schmerz/chvorgang.htm

 

 

 

                                                               Alle Seiten sind © von Julia Busching, 2004-2010